Okt.2006Die Schwarzpappel (Populus nigra)

Baum des Jahres 2006 -
Die Schwarzpappel (Populus nigra)
- ein schnellwachsender Riese, vom Aussterben bedroht

  

Die Europäische Schwarzpappel (Populus nigra L.) gehört zu den Baumarten, die eigentlich
weit verbreitet sein müssten, aber inzwischen so selten geworden sind, dass sie in den
Roten Listen bedrohter Pflanzenarten stehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: vor allem
Veränderung und Verluste natürlicher Flussauen sowie Verwendung von anderen
nichtheimischen Pappelarten oder Kreuzung mit ihnen. So kommt es, dass ältere echte
Schwarzpappeln schon eine kleine Sensation sind. Sie werden daher in mehreren Ländern
Europas und einigen deutschen Bundesländern erfasst.

Die Schwarzpappel gehört mit den Pappeln und Weiden zur Familie der Weidengewächse. In
Mitteleuropa sind von etwa 35 Pappelarten der nördlichen Halbkugel außer der Schwarzpappel
nur noch die Silberpappel und die Zitterpappel, die auch als Aspe oder Espe bezeichnet wird,
heimisch. Außerdem kommen bei uns natürliche Kreuzungen, sogenannte Hybriden, zwischen
Silber- und Zitterpappel vor, die unter dem Sammelnamen Graupappel zusammengefasst
werden.
Die Schwarzpappel finden wir als Flussbegleiter in den gemäßigten Klimabereichen weiter Teile
Europas. In Deutschland kommt die Schwarzpappel nur noch in Reliktvorkommen vor allem am
Rhein, an der Elbe und an der Oder vor. In den Alpen ist sie bis in Höhen von 1600 m zu finden.
Die Schwarzpappel ist darüber hinaus auch in Nordafrika, West- und Mittelasien verbreitet.


Die Schwarzpappel stellt hohe Ansprüche an Licht und Wärme. Sie besiedelt bevorzugt Kies-
und Sandböden, die gut durchlüftet sind. Kurze periodische Überschwemmungen stellen kein
Problem für das Gedeihen der Schwarzpappel dar. Sie begünstigen sogar ihre Konkurrenzkraft
gegenüber den Baumarten der Holzaue wie z.B. Eichen, Ulmen oder Eschen.
Ältere Exemplare der Schwarzpappeln sind von mächtigem, knorrigem Wuchs. In Deutschland
sind Exemplare mit einem Stammdurchmesser von über 2 m bekannt. Unter günstigen Standort-
bedingungen können die Bäume bis zu 35 m hoch werden.

Wie alle Arten der Weidengewächse ist die Schwarzpappel zweihäusig, das heißt, ein Baum
besitzt entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten. Die Bestäubung erfolgt im Gegensatz
zu den Weiden aber nicht durch Insekten, sondern durch den Wind. Die nackten Blüten ent-
wickeln sich vor dem Blattaustrieb im April/Mai. Die männlichen Kätzchen sind bis zu 10 cm lang, herabhängend und grauweiß. Jede Blüte trägt 10 bis 30 purpurrote Staubbeutel. Die gelbgrünen
weiblichen Kätzchen sind 4 bis 10 cm lang und haben etwa 50 Einzelblüten. Nach einer relativ
kurzen Reifezeit entlässt der Baum aus den aufgeplatzten Fruchtkapseln Ende Mai bis Anfang
Juni charakteristische, weiße Wolle.
Die Wolle wird von den Haarbüscheln gebildet, die den winzig kleinen Samenkörnern anhaften.
Die Samen sind schwimmfähig und werden in erster Linie durch den Wasserstrom verbreitet.
Bis zu acht Tage bleibt der Samen keimfähig. In dieser Zeit muss er ein geeignetes Keimbett
finden. In Baumschulen werden die Schwarzpappeln in der Regel über Stecklinge vegetativ
vermehrt. Daneben werden für besondere Erhaltungsmaßnahmen Pfropfungen oder Gewebe-
kulturvermehrungen durchgeführt. Die Saatgutbeerntung von Schwarzpappeln und die daraus
anschließende Pflanzeninzucht ist eine mögliche, im Sinne der Sicherung einer großen
genetischen Vielfalt wünschenswerte Maßnahme.


Pappelholz ist sehr weich und gehört mit ca. 0,45 g/cm³ zu den leichtesten Holzarten. Verwendet
wird Pappelholz heute in der Schuhindustrie, als Palettenholz und als Spankisten. Außerdem
werden aus diesem Spezialholz hergestellt: Zahnstocher, Schneeschaufeln, Backtröge, Zünd-
hölzer, Hutformen, Schnitzereien und Zeichenholzkohle.
Voraussetzung für die natürliche Verbreitung und Erhaltung der Schwarzpappel in den euro-
päischen Flusssystemen ist das Vorhandensein geeigneter Biotope. Die von der Schwarzpappel
besiedelten Standorte werden höchstens eine Baumgeneration gehalten. Danach gehen diese
Standorte vor allem auf Grund des bei den regelmäßigen Überschwemmungen eingetragenen
feinen Bodenmaterials (Sedimentation) in Hartholzaue über. Deshalb müssen für ein Überleben
dieser Art geeignete Rohböden immer wieder neu entstehen.

Die Weichholzauen gehören zu den am meisten gefährdeten Waldstandorten Mitteleuropas. In
den vergangenen Jahrhunderten hat die Trockenlegung der Auenstandorte für Siedlung, Land-
wirtschaft, Industrie und Erholungseinrichtungen die Biotopfläche drastisch verringert. Vielfältige
Maßnahmen in den letzten Jahrzehnten haben den Zustand weiter beträchtlich verschlechtert.
Hierzu zählen insbesondere Flussbegradigungen, Kanalisierung und Eindeichungen.
In Deutschland sind in allen Bundesländern die Schwarzpappelvorkommen durch die zu-
ständigen Forstverwaltungen erfasst und kartiert worden. Dabei konnten nur noch etwa 2500
Altbäume (Stand: 2000) gefunden werden.


Der aus dem Germanischen stammende Begriff Aue bedeutet Land am Wasser. Hiermit wird der
Bereich an fließenden Gewässern bezeichnet, der zeitweilig überflutet wird. Auwälder weisen ein
Mosaik verschiedenartigster Standortbedingungen auf. Dadurch wird eine Artenvielfalt auf engem
Raum ermöglicht. In diesem Biotop haben viele vom Aussterben bedrohte Blütenpflanzen wie
Fliegenorchis, Frauenschuh oder Sumpfgladiole ihr Refugium. In den Rheinauewäldern sind ins-
gesamt über 1000 Käfer- und 400 Schmetterlingsarten nachgewiesen worden. Ornithologische
Untersuchungen haben ergeben, dass Auwälder in Mitteleuropa zu den Gebieten mit der höch-
sten Brutvogeldichte gehören.
In unserer heutigen Kulturlandschaft mit ihren begradigten eingedeichten Wasserstraßen sind
die Chancen für eine natürliche Verjüngung der Auewaldbaumarten nur minimal. Wenn Natur-
verjüngung stattfindet, dann nur auf sehr kleiner Fläche.

Für ein dauerhaftes Überleben wären großflächige Renaturierungen oder - aus menschlicher
Sicht - Katastrophen wie Deichbrüche notwendig. Ansonsten wird es leider unerlässlich sein,
der Schwarzpappel als gefährdeten Baum eines gefährdeten Ökosystems durch künstliche
Maßnahmen zu helfen.

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